Gedichte und Songtexte!

Der Tausch

Gott, willst Du mein Herz haben?

Gibst mir dafür einen Stein.

Ich kann auf dieser Welt nicht leben

mit dem Gefühl ein Mensch zu sein.

Auf dieser Welt kommen Dich Gefühle teuer,

sie verbrennen Dich erbarmungslos wie Feuer.

Bitte gib mir einen Stein,

denn ich möchte wie alle anderen sein.

Wer sich gut fühlt, fühlt sich auch schlecht.

Sieh, wie sie alle darum flehen,

Schmerzen haben ist ihnen nicht recht.

Es ist unfair, wenn man gibt,

aber nichts bekommt, wenn man liebt.

Die Liebe sich nicht lohnt,

weil sie nicht erwiedert wird.

Gott, hast Du Dich hier nicht geirrt?

Wo Glück ist, da ist auch Trauer.

Wo Gewinn ist, ist Verlust.

Darum frage ich Dich voll bewußt:

Gott,

willst Du mein Herz haben?

Gibst mir dafür einen Stein.

Ich kann es nicht ertragen,

Gefühl zu haben, Gefühl zu sein.

Überall auf der Welt

werden sich Menschen verletzen,

sich gegenseitig

mit ihren Gefühlen aufhetzen.

Täglich tun sich Menschen weh,

die sich lieben sollten.

Ob auch sie

einen Stein haben wollten?

Gott,

warum hast Du ihnen keinen gegeben?

Es wäre besser,

ohne Schmerz zu reden

und ohne Herz zu leben.

Wenn Gott nicht will,

frag ich eben Luzifer.

Er wird mich verstehen,

da bin ich sicher.

Teufel,

willst Du mein Herz haben?

Gibst mir dafür einen Stein.

Ich kann es nicht mehr ertragen,

Gefühl zu haben, Gefühl zu sein.

Als ich den Stein dann

in meiner Brust hatte,

lachte der Teufel höllisch,

diese Ratte.

Ich stand nicht mehr im Tod

noch im Leben.

Stattdessen war ich völlig daneben.

Ich existierte, aber ich lebte nicht.

Oh Teufel,

Du höllischer Wicht.

Du hast es gewußt.

Der Stein ist verrußt

und kalt ist er auch.

Mich frierts im Kopf

und auch im Bauch.

Jetzt bin ich

wie alle anderen auch.

Gott,

willst Du meinen Stein haben?

Tausch ihn mir gegen ein Herz.

Ich möchte fühlen

Liebe und Schmerz.

Ich will Mensch sein

ganz und gar.

Nicht wie alle anderen

eiskalt, herzlos und sonderbar.

Wie gut, daß Gott ein Herz hat.

© Mathias Bleckmann 2004

Lügen. Warum sagen Menschen die Unwahrheit ?

Was für ein Wort überhaupt. „Un-wahrheit“. Am meisten enttäuscht bin ich davon, daß plötzlich vorher  Wahres als unwahr hingestellt wird und damit einfach so getan wird, als ob es das nie gegeben hätte. Verleugnete Vergangenheit. Ist denn heute nichts mehr von Bestand? Es ist, als ob einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Wie erstarrt vor Entsetzen, einfach fassungs-und sprachlos blicke ich auf einen Lügenteppich, der mich erschaudern läßt. Warum verstricken sich soviele Menschen in Lügengeflechte, die ihnen selbst als erstes zum Fallstrick werden ? Eine Verwechslung? Nein, auch mein Gedächtnis funktioniert noch. Aber zuerst stellt man sich selbst in Frage. Wie können Menschen Lügen erzählen mit einer unverfrorenen Ruhe, gerade so als wenn es wirklich so gewesen ist. Ich glaube, sie leben in ihrer Scheinwelt, die sie sich aus Lügen aufgebaut     haben, wie wir in unserer Welt leben. Und das schlimmste daran ist, sie glauben an die Richtigkeit dieser Lügen. Sie leben in und mit ihren Lügen, weil es für sie Wahrheiten  geworden sind. Wahrheiten, hinter denen sie sich verstecken können. Scheinbar ohne Gewissen, denn wie wollten sie sich vor einem solchen verstecken können?

Für Außenstehende schwer zu erkennen und deshalb unverständlich. Bei mir  ist es die Wut, daß andere reale Tatsachen einfach verdrehen und damit Wirklichkeit verneint und zu etwas sehr subjektivem und damit objektiv nicht greifbaren macht. Die Wirklichkeit aber ist das einzige, auf das sich alle Menschen irgendwie geeinigt haben. Sie ist die Grundlage für alles andere.

Dieser Grundlage entzogen, kann man jegliche Kommunikationsversuche ad acta legen. Sie werden sinnlos. Das macht mich wütend und traurig.

Ein Lächeln

Kaum 50 Meter von mir

sitzt ein Lächeln auf der Bank,

das mich verzaubert hat.

Sie scheint frisch verliebt,

aber nicht in mich.

Ich bin verliebt

in dieses Lächeln.

Es hat mich verzaubert.

Was mach ich nur,

um es noch einmal zu sehen?

Verschlungen sitzen sie auf der Bank,

und tauschen Zärtlichkeiten aus.

Er scheint verliebt zu sein in sie.

Ihr Lächeln nahm mich gefangen

und läßt mich nicht mehr los.

Verstohlene Blicke zwischen

schmatzenden Zärtlichkeiten.

Wenn etwas süßer ist als Zucker

dann dieses Lächeln.

Die Uhr schnell versteckt.

Entschuldigung, wie spät ist es?

In Wirklichkeit schon viel zu spät,

um dieses göttliche Lächeln zu vergessen.

Wie von Hypnose erstarrt, verschlinge ich

die Frau mit meinen Blicken.

Einmal, nur einmal mit diesem Lächeln

in den unendlichen Weiten des Universums

verschmelzen. Nach mir die Sintflut.

© Mathias Bleckmann 2004

Wir sitzen auf dem Sekundenzeiger, der die Vergangenheit von der Zukunft trennt. Der Zeiger bewegt sich so schnell, daß wir seine Bewegung kaum wahrnehmen und zu ruhen scheinen. So wie wir die Bewegung der Erde nicht spüren, obwohl sie stattfindet. Ein Sekundenzeiger, der uns unwiederbringlich in die Vergangenheit reißt, um dort mit der Zeit zu vergehen. Süße Vergänglichkeit, die auf heilige Erde tropft.

Menschen auf der Straße

Hinter eisigen Masken

lauern Gedanken

-stumm.

Menschen bauen Fassaden

um sich herum.

© Mathias Bleckmann 2004

In jedem Menschen stecken nicht nur seine bisherigen Erfahrungen, sondern auch seine zukünftigen.

Manche Begegnungen sind so flüchtig wie der Augenblick, in dem ein Blitzlicht kurz sein Motiv erhellt, um dann im übermächtigen Dunkel der Stille für immer zu verlöschen.

Ich mag

Ich liebe grüne Bäume,

vielfarbige, duftende Blumen,

Blätter, die im Sonnenlicht funkeln.

Ein ruhiger See,

dessen seichte Wellen

langsam gegen das Ufer platschen

und die Lichtreflexe im spiegelnden Wasser.

Ein warmer Wind,

der mir sanft durch die Haare fährt

und mich meinen Körper spüren läßt.

Das Gefühl im Bauch,

geliebt zu werden.

Wer hat behauptet,

es gibt kein Paradies auf Erden?

© Mathias Bleckmann 2004

Schlechte Zeiten

Schlechte Zeiten für Kannibalen.

Gift im Menschen macht ihn ungenießbar.

Sie leiden höllische Qualen,

wünschen sich tot zu sein, es ist wahr.

Sie ist angebrochen,

die Zeit der halben Herzen.

Schon vor Jahren

begannen die ersten Schmerzen.

Die Menschheit befindet sich auf dem Prüfstand.

Der Zeitpunkt 0 ist nicht mehr fern.

Die letzten Notsignale gehen unter in der Angst.

Er möchte helfen, sogar gern,

der Helfer in letzter Instanz.

Das Unerwartete ist passiert.

Die Welt ist kurz vorm Untergang.

Nichts wird jetzt noch kaschiert,

schonungslos alles aufgedeckt.

Das Böse schließlich aufgeweckt.

Das jüngste Gericht tagt.

Die Schatten der Erde verschwinden.

Von einigen wird eine Flucht ohne Ausweg gewagt.

Es sind die geistig Blinden.

Jeder sucht verzweifelt

nach einem Anwalt des Vertrauens.

Jeder steht im Blickpunkt.

Jeder ist verantwortlich für sein Leben.

Niemandem kann man die Schuld dafür geben.

Sie werden Jesu Worte zitieren:

„denn wir wußten nicht, was wir tun“

Die Anwälte werden für Unzurechnungsfähigkeit

plädieren.

Die Köpfe qualmen, sie werden nicht ruhn.

Die Menschen sind gezeichnet

von den Spuren der Vergangenheit.

Jedem seine Hölle, jeder gibt was er kann.

Niemand war ein Unschuldslamm.

Dann vernehmen alle das Urteil:

Unendliche Einsamkeit!

Nun heißt es, was tun mit der Zeit,

mit der unsterblichen Unendlichkeit?

Es ist ein Protest gegen den Tod,

ausgesprochen von Gott.

Die Spiele ohne Sieger

sind jetzt zu ende.

Enttäuscht wurden die,

die geträumt hatten von einer Wende.

So gab es ein böses Erwachen

für die eitle Arroganz des Menschen.

Jetzt kann niemand mehr etwas machen.

Tief aus der Hölle hört man grausiges Lachen.

© Mathias Bleckmann 2004

Verloren und gefunden

Einsames Spiel-

alles gesetzt und alles verloren.

Sogar die Achtung vor mir selbst.

Alles nur halb gemacht,

nichts richtig zu ende gebracht.

Ich hatte einen Traum

und ich habe daran geglaubt.

Zu oft mich selbst belogen,

zu oft gezweifelt und andere betrogen.

Meine Seele vergewaltigt.

Wer bin ich wirklich

und wer werde ich sein?

Zu oft auf die Schnauze gefallen

und nun ist der Kopf zu schwer,

um ihn noch von der Schiene zu heben.

Aus, vorbei und am Ende.

Alles kommt mir so bekannt vor.

Die warmen Tränen,

die mir über die Wangen laufen.

Alles schon dagewesen.

Viel zu oft mit dem Schicksal gehadert.

Ein Leben randvoll

mit gescheiterten Versuchen.

Niemals das Glück gehabt,

das wirklich Wichtige zu suchen.

Tausendmal scheinbar gefunden

und immer daneben gegriffen.

Bin mir ein Leben lang

selbst fremd geblieben.

Soviel Hoffnung, so wenig Mut.

Ein leises Klopfen

kündet vom nahen Ende.

Nicht das Herz, der Zug

läßt alle Gedanken in Rauch aufgehen.

Tabula rasa-

wohltuend das Gefühl der Leere.

Schmerzlos, sogar euphorisch.

Endlich mutig

etwas selbst zu ende gebracht.

Mit jedem Meter,

den der Tod näherkommt,

die Achtung vor mir selbst

zurückgewonnen.

© Mathias Bleckmann 2004

Brot und Spiele

Mitten im Revier.

Ein Himmel voller Tauben

und Wolken wie gemalt.

Das Brot längst flüssig

und in Dosen abgefüllt.

Von Spielverderbern

aus dem Stadion verdammt.

Wer kann sich ernsthaft

Fußball ohne Bier vorstellen?

Eine Sucht, die sucht

und ihn findet.

Nirgendswo ist er mehr

zu Hause, hat er mehr

Freunde als hier.

Eine elektrisierte Menge

von Fanatikern.

Wie ein Pulverfaß, das

jeden Moment durch

einen einzigen Funken

gezündet werden kann.

Nackte Angst, die sich

in Schlachtparolen

Platz macht.

Und dann-

Gipfel der Lust: ein Tor!

Tausendfache Freude,

die sich in der ekstatischen Menge

entlädt und Konfetti regnen läßt.

Für einen kurzen Augenblick

weit weg von schmerzhafter

Arbeitslosigkeit.

Einen winzigen Moment lang

selbst das Tor geschossen.

Idole wachsen in den Himmel.

Wer jubelt wem ?

Lang ersehnte Aufmerksamkeit

endlich genossen.

Zwei feuchte Rinnsale

aus salzigem Pils

schnell versteckt hinter

Umarmungen und Freudentänze.

Einmal Mensch sein.

Angstvoller Blick zur Uhr.

Wird es reichen?

Da passiert es.

Ein Gegentor läßt Idole

wieder zu Menschen werden.

Eben ganz normale Versager,

wie Du und ich.

Längst gelernt, mit den

täglichen Niederlagen

fertigzuwerden, oder ?

Gellende Pfiffe, die wie Pfeile

nur ein Ziel kennen.

Idole werden mit Verachtung gestraft.

Selbstverachtung.

Nur die Hoffnung

läßt ihn jeden Samstag wiederkommen.

© Mathias Bleckmann 2004

Chancenlos

Völlig losgelöst

im luftleeren Raum

schwebe ich

zwischen Tod und Teufel.

Desillusioniert

und aller Chancen beraubt.

Ein Vakuum

aufgebaut aus

Verzweiflung und Mitleid,

an dem ich

zu ersticken drohe.

Wieder einmal

das Ende der Welt

in 50 Millionen Jahren

vorausgesagt.

Wen kümmert es heute?

Aller Anfang ist schwer,

doch das Ende ist  mehr.

Vor Jahren bereits

ungesetzlich

kostenpflichtig entnabelt.

Unheilschwanger

trug mich meine Mutter aus.

Doch ich wollte nicht

auf diese Welt

und ich ahnte schon warum.

Nach 14 Tagen Warten

mit Gewalt zum Verlassen

meines Mikrokosmos

gezwungen,

drängte es mich

das Licht der Welt

zu erblicken.

Empfang mit Schlägen.

Schnell stellte ich fest,

daß ich, der ich nicht

von dieser Welt scheine

auch nicht auf diese gehöre.

Kann man diesen Irrtum

rückgängig machen?

© Mathias Bleckmann 2004

Eine Unebenheit im Holz

Ein Tag vor meinem 20. Geburtstag.

Ich sitze auf der Veranda,

hoch oben in den Rocky Mountains.

Von drinnen höre ich kichernde Zärtlichkeiten.

Es ist heiß.

Ein letzter Rest Wasser  aus meinem Glas

achtlos gegen das Holz gekippt.

Es entstehen Figuren.

Ein großer Punkt, von dem

zwei Tropfen ihre Streifen nach unten ziehen.

Parallel und doch uneben.

Eine schnelle Assoziation.

Der eine Streifen bin ich,

der andere muß eine Frau sein,

aber welche?

Der Tropfen trifft auf einen Kratzer im Holz,

ändert plötzlich die Richtung und vermengt sich

mit dem anderen Streifen,

mit mir.

Aus den zwei Streifen wird ein einziger.

Er verschwindet kurz aus meinem Blick.

Zwei Sekunden später wechselt erneut das Szenario.

Die Hitze läßt das Bild zerfließen.

Das Wasser löst sich auf.

Erst die zwei Parallelstreifen-

Erinnerung an die Vergangenheit

wird ausgelöscht durch erneute Vereinigung.

Nun löst sich auch der letzte Streifen auf

– das Leben ein Kommen und Gehen.

Zuletzt verschwindet der Ausgangspunkt

– Leben und Tod.

© Mathias Bleckmann 2004

Ein rechter Bürger

In der Schule verhöhnt und verlacht.

Den letzten Mut früh durchgebracht.

Trotz allem ein aufrechter Bürger geworden.

Dabei das Ziel oft aus den Augen verloren.

Pflanzen ohne Zuspruch wachsen nicht

– wie muß es da erst Menschen gehen?

© Mathias Bleckmann 2004